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Magersucht

Pro Tag zwei Äpfel, eine Scheibe Brot und viel Sport, der diese "ungeheure" Kalorienzufuhr wieder ausgleichen soll: Bis zu zwei Prozent aller Mädchen und Frauen zwischen 12 und 21 Jahren und nur sehr wenige junge Männer leiden an Magersucht oder Anorexia nervosa, wie der Fachausdruck lautet. Neben einem deutlichen Untergewicht (zirka 25 Prozent unter dem Normalgewicht) gehört eine fehlende Krankheitseinsicht und eine gestörte Körperwahrnehmung zu den typischen Symptomen dieser Ess-Störung.

Die Jugendlichen essen kaum mehr als nichts und ihre Sucht, dem gefährlichen Schlankheitsideal der Hochglanz-Models zu entsprechen, bringt sie an eine lebensbedrohliche Grenze: Zehn Prozent der Magersüchtigen hungern sich buchstäblich zu Tode.

So entsteht Magersucht

Magersucht definiert Sylvia Baeck, Geschäftsführerin des Beratungszentrums bei Ess-Störungen DICK & DÜNN e.V. in Berlin, als „eine psychosomatische Erkrankung mit Suchtcharakter, die meistens in der Pubertät beginnt.“ Doch auch Grundschülerinnen und Frauen jenseits der 30 sind heute unter den Magersucht-Kranken keine Seltenheit mehr.

Die Ursachen des Problems sind sehr verschieden, in vielen Fällen dient eine Diät als „Einstiegsdroge“. (Werdende) Magersüchtige beschäftigen sich zwanghaft mit Kalorien. Sie sind unzufrieden mit ihrem Spiegelbild und fühlen sich auch dann noch zu „fett“, wenn selbst weite Kleidung ihre abgemagerten Arme und Beine nicht mehr kaschieren kann. Der „gierige“ Körper wird zum Feind, der vom alles kontrollierenden Kopf in Schach gehalten werden muss.

Obwohl die Betroffenen gern für ihre Familien kochen, nehmen sie selbst nicht an den gemeinsamen Mahlzeiten teil oder täuschen das Essen nur vor. So isolieren sie sich immer mehr von ihren Freunden und ziehen sich in eine eigene Welt zurück.

Viele Magersüchtige sind extrem perfektionistisch und ehrgeizig, weswegen sie trotz körperlicher Schwäche häufig Einser-Schülerinnen sind. Auffällig oft kommen sie aus überbehüteten, nach außen sehr harmonischen Elternhäusern, in denen sie keine Chance hatten, eine eigene Identität zu entwickeln. „Der Triumph über ihr Hungergefühl gibt ihnen das Gefühl, stark und unabhängig zu sein“, erklärt Baeck das zerstörerische Verhalten.

Die körperlichen Veränderungen der Pubertät erzeugen bei vielen Mädchen Angst vor Sexualität. Die Flucht in die Magersucht verhindert weibliche Rundungen und hält die drohende Entwicklung zur Frau auf. Dabei spielt das Gefühl, nicht so werden zu wollen wie die eigene Mutter, eine große Rolle. Auch sexueller Missbrauch kann eine Magersucht auslösen.

Was Ärzte tun können

Das Nicht-Essen hat seinen Grund: Es wird zur Ersatzfunktion für ungelöste Konflikte und verdrängt Gefühle wie Wut, Angst, Überforderung und Einsamkeit. Nur professionelle Hilfe im Rahmen einer Psychotherapie

Was Sie tun können

In allen größeren Städten gibt es Beratungszentren für Ess-Störungen, an die sich Betroffene wenden können. Adressen finden Sie auf der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln. Wenn dem Magersucht-Kranken die nötige Einsicht in seine Lage fehlt, sollten die Eltern den Erstkontakt herstellen.

Eltern haben oft Angst um das Leben der Kranken. Doch Drängen und gute Ratschläge, wie „Iss doch einfach mal normal“, sind fehl am Platz. Begegnen Sie Ihrem Kind mit viel Liebe, aber lassen Sie sich vom „Suppen-Kasper-Syndrom“ nicht tyrannisieren. Wird die Situation am Tisch unerträglich, bestehen Sie auf getrennte Mahlzeiten. Und machen Sie eine ärztliche Betreuung zur Mindestbedingung für ein weiteres Zusammenleben.

Eltern-Selbsthilfegruppen und eine Familientherapie tragen dazu bei, das aus den Fugen geratene Familiensystem wieder neu zu gestalten. „Fast immer sind die Mädchen Symptomträgerinnen eines grundlegenden Familienproblems“, sagt Schnebel



Letzte Änderung:  10:41 11/08 2005

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